Der Einzug eines Welpen ist meist mit einer großen Freude aller Beteiligten verbunden. Die meisten frisch gebackenen Welpeneltern nehmen sich 2 Wochen Urlaub, um der kleinen Fellnase die Eingewöhnung an das neue Zuhause zu erleichtern. Häufig nehmen sich die Zweibeiner sogar 2 Wochen versetzt Urlaub, sodass der Welpe durchgängig 4 Wochen Betreuung durch seine neuen Eltern erfährt.

In dieser ersten Zeit lernen sich beide Seiten kennen und meist auch lieben – erste Spielzeuge werden gekauft, das Lieblingsfutter des kleinen Rackers wird 3 Mal am Tag liebevoll in den Napf gefüllt, es wird gekuschelt und geschmust und jede Stunde wird der kleine Hund auf die Wiese gesetzt, damit er so schnell wie möglich stubenrein wird. Kurzum – ein perfektes Hundeleben.

Doch was passiert, wenn die ersten 4 Wochen der Eingewöhnung vorüber sind? Der normale Alltag hält Einzug und der kleine nun meist erst 12 Wochen alte Welpe wird zum ersten Mal allein gelassen. 

Nicht selten berichten die Welpeneltern in der 3. oder 4. Welpenstunde, dass das Hundebaby in der vergangenen Woche schon schön allein geblieben ist. Auf mein Nachfragen hin, über wieviele Stunden Alleinbleiben wir gerade sprechen, klären mich die Welpeneltern dann auf, dass sie nun wieder arbeiten gehen und es das kleine Fellknäuel schon schafft, den ganzen Tag (6 bis manchmal 9 Stunden) ohne Probleme allein zu bleiben. 

Die Freude darüber kann ich an dieser Stelle leider nicht teilen und kläre „meine“ Welpeneltern auf…

Welpe = Baby

Ein Hund ist bis zur 16. Lebenswoche ein Welpe, also ein Baby. Babys sind allein hilflos, nicht stubenrein, haben häufig Hunger, haben allein Angst, brauchen ganz viel Wärme, Liebe & Zuwendung und haben aufgrund keiner bisherigen Erfahrungen keinerlei Potential Probleme selbstständig lösen zu können.

Die Blase eines Welpen ist noch sehr klein und kann noch nicht willentlich gesteuert werden. Babyhunde müssen also aller 1 bis 3 Stunden (je nach Lebenswoche) zum Lösen nach draußen gebracht werden. Welpen haben einen kleinen Magen und benötigen eine Futterzufuhr von mindestens 3 Portionen über den Tag verteilt. Die Unfallgefahr für ein Hundekind ist riesig und sollte wie beim Menschenkind so klein wie möglich gehalten werden. Diese Bedingungen zu erfüllen, wenn der Welpe länger als 2 Stunden allein bleiben muss, ist nicht realisierbar.

Aber andere Hundehalter machen das auch so

Die Häufigkeit einer Handhabe macht sie nicht richtiger! Oftmals höre ich auf meine Äußerungen des Bedenkens hin Sätze wie „meine Kollegin macht das auch so und das klappt super!“ …

Dieser Versuch der Selbsttäuschung kann nicht gelten. Es ist einfach verwerflich einen Welpen so lang sich selbst zu überlassen. Hierfür besteht kein Argumentationsspielraum.

Der ideale Zeitpunkt

Wichtig ist, dass der Welpe sich zunächst erst einmal eingewöhnt im neuen Zuhause, sich zugehörig und geborgen fühlt. Das ist im Regelfall (Welpe ist mit der vollendeten 8. Woche eingezogen) nach ca. 6 Wochen der Fall. Der Welpe ist nun also 14 Wochen alt und kann nach einiger Vorarbeit im Alleinbleibtraining nun die ersten Minuten allein gelassen werden. Für 5 Minuten, wenn du den Müll wegbringst, dem Nachbarn seine leere Salatschüssel zurückbringst, oder die Zeitung vom Briefkasten holst. Diese kurzen Einheiten sind wichtig für den Welpen, um Vertrauen in die Situation aufbauen zu können, dass du wieder kommst – und das BEVOR er in Stress gerät!!!! Für diese ersten Übungen benötigst du meist zwischen 3 bis 4 Wochen (Dein Welpe ist nun 18 Wochen alt). Wenn der kleine Hund nun diese kurzen Sequenzen des Alleinbleibens gut meistert, ohne in Stress zu geraten (bellen, jaulen, über Tische und Bänke gehen) ist es Zeit, die Sequenzen auszudehnen, sodass er nach einigen Wochen in der Lage ist bis zu 4 Stunden allein bleiben zu können. Dein Welpe ist nun zwischen 20 und 24 Wochen  (5 bis 6 Monate) alt. 

Mit 5 bis 6 Monaten ist dein Welpe in der Lage seine Blase zu kontrollieren und hält, wenn er gesund ist, bis zu 4 Stunden durch, ohne sich lösen zu müssen. 

Das heißt im Klartext, dass das Hundekind bis jetzt auch nicht länger als bis maximal 4 Stunden allein geblieben sein darf. 

Ab dem 7. Lebensmonat kann man dann beginnen, die Zeit des Alleinbleibens Stück für Stück auszudehnen, wobei eine maximale Zeit von höchstens 6 Stunden niemals überschritten werden darf! Ein erwachsener Hund muss sich nach ca. 6 Stunden lösen. Hinzu kommt die Tatsache, dass ein Hund ein soziales Tier ist und seinen Menschen als Sozialpartner für seine mentale Gesundheit benötigt. Es sollte vermieden werden, den Hund öfter als 4 Mal in der Woche für volle 6 Stunden allein zu lassen, da dies eine Maximalangabe ist, welche nicht täglich ausgereizt werden sollte.

Ich bin Vollzeit berufstätig – wie soll ich das denn machen?

Das scheinbare Argument der Berufstätigkeit kann nicht gelten. Unsere Hunde haben es sich nicht ausgesucht bei und zu leben, sie wurden meist ausgewählt und mitgenommen. Wir tragen die Verantwortung unsere Hunde ordnungsgemäß, tierschutzkonform und artgerecht zu halten. Eine Vollzeitstelle ohne Hundebetreuungsmöglichkeit schließt eine Hundehaltung aus!! Auch, wenn der Hund den ganzen Tag im Garten ist und dort sein Leben im Freien fristen darf. 

Selbst unsere sonst so dehnbare Hundeverordnung verfasst:

§2 Abs. 3

„Einem einzeln gehaltenen Hund ist täglich mehrmals die Möglichkeit zum länger dauernden Umgang mit Betreuungspersonen zu gewähren, um das Gemeinschaftsbedürfnis des Hundes zu befriedigen.“

Vollzeit – kein Hund?

Wenn man einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, ist es dennoch möglich einen Hund zu halten. Eine notwendige Bedingung hierfür ist jedoch die tägliche Möglichkeit einer Hundebetreuung. Vielleicht gibt es um die Ecke eine nette Hundepension, oder einen Gassiservice, einen netten Nachbarn, der sich über die Gesellschaft deines Hundes sehr freut, oder einen Studenten, der Zeit hat sich während deiner Abwesenheit um deinen Hund zu kümmern…

Im Übrigen rechtfertigt auch die Haltung eines Zweithundes nicht das Alleinbleiben von mehr als 6 Stunden am Tag!!

Fazit

Möchtest du dir einen Welpen anschaffen bedenke zunächst, ob es dir möglich ist deinen Welpen in den ersten 6 Monaten täglich und rund um die Uhr zu betreuen. Sollte dies nicht möglich sein ist es einen Gedanken wert die örtlichen Tierheime anzufahren, um einem älteren Hund ein neues Zuhause zu bieten.

Auch nach dieser Zeit sollte dein Hund (egal welchen Alters) nicht länger als 6 Stunden täglich allein bleiben müssen. Im Idealfall kommt dies nicht öfter als 4 Mal pro Woche vor.

Die Hundehaltung ist toll und bereitet große Freude, welche jedoch auf beiden Seiten bestehen sollte. 

Eine Alternative für die Haltung eines eigenen Hundes ist zum Beispiel auch eine Patenschaft für einen Hund, dessen Besitzer eine Betreuung sucht, oder du erkundigst dich im örtlichen Tierheim nach einer Pflegemöglichkeit.