Interview mit Marco Prosche von der Barf-Küche Leipzig

Dass Wohlbefinden und Ernährung eng mit einander verbunden sind ist mittlerweile vielen Hundehaltern bekannt. Doch wie sieht es mit Verhalten und Ernährung aus? Kannst du das Verhalten deines Hundes durch die Ernährung verändern? Auf jeden Fall! Denn, die Ernährung ist der Motor des Körpers und nur ein gut laufender Motor kann Höchstleistungen bringen. Du fühlst dich nach einem gesunden Pausensnack sicher auch viel wohler und kannst konzentrierter arbeiten, als wenn das Mittagessen eben schnell an dem Fastfood Imbiss nebenan erledigt wurde, oder? Doch wie genau sieht eine gesunde Ernährung für deinen Hund aus? Gibt es ein universelles Rezept, dass für jeden Hund gut passt? Was musst du beachten und was kostet letztendlich eine gesunde Hundeernährung?

Ich möchte es genau wissen und stelle meine Fragen Marco Prosche von der Barf-Küche Leipzig. Mit nun bereits drei Filialen in Leipzig ist er der Fachmann in puncto Ernährung und steht mir Rede & Antwort.

Meine Frage:

Hallo Marco! Du hast mit der Barf-Küche Leipzig einen Trend aufgegriffen, der viele Hundehalter beschäftigt. Die artgerechte Rohfleischfütterung. Vor wenigen Jahren beschäftigten sich nur wenige Hundehalter mit der gesunden Alternative zum Fertigfutter. Der Wandel in den Köpfen ist nun spürbar. Viele Hundefreunde beschäftigen sich mit der Barf-Ernährung und möchten ihren Hund so gesund wie möglich ernähren. Wie kam es dazu, dass du die Barf-Küche Leipzig ins Leben gerufen hast und den Hundefreunden in und um Leipzig täglich Rede und Antwort zu allen Ernährungsfragen rund um ihren Hund stehst?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

2011 hatte ich das Glück als Vertriebspartner für einen Barf-Anbieter arbeiten zu können. Wir wollten zusammen die artgerechte Ernährung an den Hunde- und Katzenhalter bringen und entwickelten hierzu verschiedene Konzepte zum Vertrieb. Eines davon war die Eröffnung eines Geschäftes auf 36m² in Leipzig Gohlis. Dieses war der allererste Shop im Bereich Barf und wurde von mir als Geschäftsführer geleitet. Bereits 2012 mussten wir uns aufgrund der hohen Nachfrage vergrößern und mieteten ein Ladengeschäft mit der 3-fachen Größe auf der anderen Straßenseite. 2013 wollte ich schließlich andere Wege gehen und mich weiter entwickeln. Daher entschied ich mich für die Übernahme des Shops, verließ den Barf-Anbieter und fand in den Futtermachern meinen neuen Barf-Partner mit einer sehr hohen Produktqualität und Liefertreue.

Meine Frage:

Die Barf-Ernährung gilt als artgerecht. Welche Grundsätze einer natürlichen Hundeernährung werden hier zugrunde gelegt? Können wir als gesunde Referenzernährung die Ernährung des Wolfes in Betracht ziehen, oder sind die natürlichen Speisepläne von Wolf und Hund durch die Domestikation nicht mehr vergleichbar?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Hierzu muss ich sagen gehen die Meinungen auseinander. Der eine Teil füttert gern mit Obst/Gemüse/Pansen. Ein weiterer Teil möchte zur Unterstützung noch natürliche Nahrungszusätze zugeben und dann gibt es noch den Teil, der die Prey-Methode für sich entdeckt hat. Ich als Inhaber der Barf-Küche biete als zertifizierter Fachhändler für alle Fütterungsmethoden Produkte an.

Ich persönlich vertrete die Meinung, dass der Hund ein Carnivore (Fleischfresser) ist. Es gibt trotz der Domestikation sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Wolf und dem Hund, sodass ich eine Anlehnungen an die Ernährung des Wolfes für unsere Hunde für gesund und artgerecht halte.

Info: Die Prey-Methode oder auch »Prey model raw« basiert – stärker als Barf – auf der Idee, den Hund mit einem voll­stän­di­gen Beu­te­tier zu ernäh­ren, wie er es in freier Wild­bahn eben­falls erlegen würde. Daher auch der Name »Prey«, was der eng­li­sche Begriff für Beute(tier) ist. Es wird davon aus­ge­gan­gen, dass sich ein nor­ma­les Beu­te­tier, wie es ein Wolf oder auch eine größere Wild­katze erlegen würde, aus 80 bis 85% Mus­kel­fleisch und anderen Kör­per­tei­len wie Haut, Federn und Fell, 10 bis 15% fress­ba­ren Knochen und 5 bis 10% Inne­reien (davon etwa die Hälfte Leber) zusam­men­setzt. Anders als bei der Barf-Rati­ons­be­rech­nung werden außer diesen Bestand­tei­len keine wei­te­ren Zusätze wie Obst, GemüseMilch­pro­dukte oder Öle ver­füt­tert. Die Tages­ge­samt­ra­tion wird wie beim Barfen mit 2 bis 3% des Kör­per­ge­wichts berech­net.

Quelle: https://www.vitaler-hund.de/ernaehrung/prey-methode/

Meine Frage:

Gibt es ein universell anwendbares Rezept, welches für jeden Hund anwendbar und sinnvoll ist, oder variieren die Zusammensetzungen der Ernährungspläne von Hund zu Hund?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Wir als zertifizierte Ernährungsberater legen in unseren Fachgeschäften den interessierten Haltern eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ans Herz, welche durch die Zugabe natürlicher Zusätze ergänzt wird. Denn immerhin sind nun wir als Halter für die Ernährung unseres Vierbeiners verantwortlich, da es unseren Hunden als Beutegreifer nicht mehr möglich ist sich selbstständig zu ernähren. Natürlich gibt es von Hund zu Hund oder von Rasse zu Rasse individuelle Unterschiede, die es in einem kostenfreien Beratungsgespräch zu erkennen und realisieren gilt.

Meine Frage:

Wie erstelle ich als Hundehalter den idealen Plan für meinen Hund und wann muss ich den Futterplan neu überdenken? Welche Zeichen meines Hundes kann ich wahrnehmen, die dafür sprechen, dass der aktuelle Futterplan neu berechnet werden muss?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Das Team der Barf-Küche gehört nicht zu den Befürwortern von berechneten Futterplänen. Wie bereits erwähnt raten wir zu einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung, angelehnt an die Ernährung der Wolfes und der rennt ja auch nicht mit einem Futterplan durch den Wald. Wir legen bei uns daher sehr viel wert auf eine gesunde und intakte Darmflora und ein starkes Immunsystem. Gleichzeitig bieten wir nun schon bereits seit 2014 unseren Kunden die Kontrolle von Kot über unser Partner Labor Vetscreen an und seit Ende 2015 sogar einen Fell-Mineral-Screen. Wenn man die Ergebnisse aller Kotproben und aller Fell-Mineral-Screens zusammenfasst, liegen wir mit unserem Konzept genau richtig. Auch wenn es sicherlich nun viele kritische Meinungen geben wird.

Meine Frage:

Wie verhält sich die Sache mit den Kohlehydraten und den Eiweißen im Futter? Ist es ratsam diese getrennt von einander zu füttern, um eine ideale Verstoffwechselung zu garantieren?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Das richtet sich nach dem gesundheitlichen Befinden des Hundes. Ich persönlich bin kein großer Fan von Kohlenhydraten, aber wenn am Wochenende mal eine Kartoffel oder eine Hand voll Nudeln übrig sind gebe ich diese lieber meinen Hunden, als dass ich Sie fortwerfe. Lieber bevorzuge ich aufgrund Ihrer Nahrhaftigkeit die Süßkartoffel, welche bei uns in einigen Sorten bereits enthalten ist.

Meine Frage:

Leider scheuen sich viele Hundehalter vor der Rohfütterung, aus Angst ihren Hunden nicht alle Nährstoffe über das Futter geben zu können, die sie dringend benötigen. Die Rede in verschiedenen Lektüren ist oftmals von Zugaben etlicher Zusätze wie Öle, Spurenelemente, Bierhefe, Grünlippmuschelextrakt, Algenkalk und Co. Doch welche Zusätze sind wirklich sinnvoll?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Einige wichtige Zusätze hast Du schon aufgezählt, wie bereits weiter oben schon erläutert achten wir auf eine gesunde Darmflora und die Stärkung des Immunsystems, dadurch ist der Hund in der Lage sich selbst von innen nach außen zu genesen. Man muss auch keine Angst vor dem Barfen haben, der Halter sollte sich nur in einem zertifizierten Fachgeschäft zur bedarfsgerechten Ernährung beraten lassen.

Meine Frage:

Die Rohfleischfütterung wird häufig als zu teuer befürchtet. Mit welchen Kosten muss als Halterin eines 45kg schweren, kastrierten, mittelmäßig aktiven, gesunden Rhodesian Ridgeback Rüden ohne Allergien rechnen?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Es kommt drauf an, ob du mit 2% oder mit 3% vom Körpergewicht füttern möchtest. Weiterhin muss du entscheiden, ob du deinen Hund vollbarfen oder teilbarfen möchtest. Ich kann jedem interessierten Halter das Barfen empfehlen, auch wenn es gegenüber dem industriellen Futter etwas teurer ist (zumindest auf den ersten Blick).

Um deine Frage zu beantworten – für deinen Hund musst du im Monat mit ca. 200-215 EUR rechnen. Aber man sollte eines nicht vergessen:

Je gesünder du deinen Hund ernährst, desto gesünder lebt dieser und umso länger kannst du Spaß mit ihm haben. 

Eine lebenslange Fehlernährung durch minderwertige Fertigfuttermittel zieht all zu oft kostspielige gesundheitliche Defizite nach sich (Zahnstein, stumpfes Fell, Bauchschmerzen, Gelenkprobleme, Verhaltensstörungen, …)

Meine Frage:

Da das Fleisch tiefgekühlt gelagert werden muss stellt sich nicht zuletzt natürlich auch die Frage der Organisation. Ist eine Barf-Fütterung nur eine Option für Menschen mit eigenem Kühlhaus?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Es ist völlig ausreichend, wenn man ein handelsübliches Tiefkühlfach oder eine Tiefkühltruhe in Abhängigkeit von der Größe des Haustieres und dem eigenen Einkaufsverhalten zur Verfügung hat.

Meine Frage:

Welche Optionen gibt es, wenn ich meinen Hund aufgrund von Allergien oder Unverträglichkeiten nicht roh füttern kann? Sind Fertigfuttermittel partout minderwertiger, oder gibt es auch hier Unterschiede? Worauf muss ich achten?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

In solchen Fällen hat ein Halter die Möglichkeit alternative Produkte zu erwerben, um den Hund zwar artgerecht aber nicht roh zu ernähren. Für den Verdachtsfall, dass ein Hund auf diverse Bestandteile allergisch reagiert, bieten wir eine Ausschlussdiät, verbunden mit einer Darm- und Organreinigung an, um den Hund auf ein individuelles Level bringen zu können. In den meisten Fällen führen die Hunde anschließend ein nahezu beschwerdefreies Leben. Von Ausschlussdiäten mit diversen Trockenfuttern rate ich aus persönlicher Erfahrung ab.

Meine Frage:

Ab welchem Alter ist es sinnvoll mit der Barf-Fütterung zu beginnen? Sollte ich das Futter, welches mein Hund beim Vorbesitzer oder Züchter erhalten hat erst einmal weiter füttern, oder kann ich gleich umstellen?

Marco (Barf-Küche Leipzig):

Ich habe meinem Riesenschnauzer Mischling ab der 8. Woche – sprich ab Einzug bei uns – mit rohen Fleisch ernährt und ihr werdet es kaum glauben, sie ist damals über den Napf hergefallen, ist heute bereits 5 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit.

Meine Fazit:

Abschließend lässt sich also sagen, dass die Barf-Ernährung die artgerechteste Ernährungsform für unsere Hunde ist. Du solltest jedoch einen kompetenten Ernährungsexperten bitten einen Futterplan für deinen Hund zu erstellen, damit du eine Unterversorgung ausschließen kannst. Auch Hunde mit Unverträglichkeiten und Allergien können roh gefüttert werden, wenn du von deinem Tierarzt, oder der Barf-Küche abklären lässt, welche Dinge nicht gut für deinen Hund sind. Da bereits Welpen roh gefüttert werden können steht einer gesunden Ernährung ein Hundeleben lang also nichts mehr im Wege.

Vielen lieben Dank Marco Prosche für das aufschlussreiche Interview.

Ich wünsche dir weiterhin viel Freude bei deiner Arbeit und gratuliere dir zum ersten Geburtstag der dritten Barf-Küche Filiale am Gutenbergplatz.