Ressourcenverteidigung

Ressourcenverteidigung

– meinen Knochen gebe ich nicht her –

Hast du deinen Hund schon einmal gebeten dir eine Ressource wie zum Beispiel einen Kauknochen oder einen Ball auszugeben? 

Wenn sich dieses Vorhaben für dich unkompliziert gestaltet hat, wirst du wahrscheinlich nicht weiter über die Hintergründe des Ausgebens nachgedacht haben. Hat dein Hund dir seinen Knochen jedoch nicht ohne Murren überlassen und dich vielleicht sogar angeknurrt oder im schlimmsten Fall nach dir geschnappt, machst du dir vermutlich Gedanken über die beschriebene Situation und hast möglicherweise auch schon nach guten Ratschlägen Ausschau gehalten.

Möglicherweise bist du frisch gebackener Hundehalter und möchtest von Beginn an alles richtig machen und so auch das Ausgeben von Anfang an in die richtigen Bahnen lenken.

Im Idealfall gerätst du an einen kompetenten Hundetrainer, welcher dir die Hintergründe der Verteidigung von Ressourcen deines Hundes erklären und einen sinnvollen Trainingsplan erstellen kann.

Genau wie der Mensch soll auch der Hund so manchen gesellschaftlichen Normen entsprechen. Das sofortige und zuverlässige Ausgeben von Ressourcen, zbsp. eines Knochens, auf ein Signal des Menschen hin zählt hier unweigerlich dazu.

So praktizieren zahlreiche Hundehalter von Beginn an diverse Übungen, die ihrem felligen Freund lehren sollen, dem Menschen Ressourcen wie Spielzeug, Kauknochen, Stöcke, …sofort zu überlassen, wenn dieser danach fragt. 

Oft empfohlene Übungen sind hier zum Beispiel, den Hund vor dem Überlassen des Futternapfes bis zur Freigabe des Menschen sitzen und warten zu lassen. Auch das immer wieder Wegnehmen und Hinstellen des Napfes führt das Feld der oft empfohlenen Übungen an. Die jeweiligen Sinnhaftigkeiten beider Übungen klären wir etwas später.

Die Angst des Menschen, sich einen Ressourcenverteidiger heranzuziehen ist meist so groß, dass man ohne zu hinterfragen jegliche Übungen aus zahlreichen Foren und gut gemeinten Ratschlägen anderer Hundehalter übernimmt.  

Oftmals basieren Diskussionen zum Thema Ressourcenverteidigung auf diversen Dominanztheorien, die dem Hund eine ranghöhere Position als dem Menschen unterstellen. Lösungen zielen hierbei nur allzu oft auf Rangreduktionsprogramme ab, die dem Hund seine angebliche rangniedrige Position aufzeigen und das Problem der Verteidigung von Knochen und Co. somit regulieren sollen.

Doch schauen wir uns die Sache der Verteidigung und deren Hintergründe einmal genauer an.

Was ist eine Ressource?

Zunächst einmal sollten wir den Begriff der Ressource definieren. Eine Ressource beschreibt ein Objekt, welches für ein Individuum in einem gewissen Kontext eine gewisse Wertigkeit aufweist und nur begrenzt zur Verfügung steht. So sind neben den klassischen Ressourcen wie Futter und Spielzeug auch häufig Schnüffelstellen, Liegeplätze oder andere, dem Hund wichtige, Dinge anzuführen. Die jeweiligen Wertigkeiten besagter Ressourcen sind abhängig von verschiedenen Faktoren und somit in einem gewissen Rahmen flexibel.

Wie können sich Wertigkeiten verändern?

Ein Hund, welcher zum Beispiel Futter verteidigt, tut dies mit unterschiedlichen Intensitäten. Wie kommt dies zu Stande?

Zum einen ist die jeweilige Wertigkeit einer Ressource abhängig von der aktuellen emotionalen Lage des Hundes, von dessen Tagesform, vom Kontext (andere Hunde, bekannte vs. unbekannte Umgebung,…), vom Stresslevel, vom Erregungslevel und einer Vielzahl anderer Faktoren.

So wird ein aktuell sehr entspannter Hund geworfene Leckerli vielleicht weniger massiv gegen potentielle Räuber verteidigen, als ein Hund, der aktuell unter Hochspannung steht.

Auch die Ressource an sich kann unterschiedliche Wertigkeiten haben. So ist Futter eben oftmals nicht gleich Futter für den Hund. Eine trockene Kaustange ist eventuell viel weniger Wert als vielleicht eine Rinderkopfhaut oder eine frische Beinscheibe.

Das Bewusstsein um die individuellen Wertigkeiten von Ressourcen für deinen Hund ist elementar für ein zielführendes Training.

Wir stellen also fest, dass Wertigkeiten von potentiellen Ressourcen innerhalb eines bestimmten Rahmens variieren können. 

Was versteht man unter Verteidigung?

Knurrt der eigene Hund einen an, nimmt man dies oftmals sehr persönlich und ist enttäuscht und verletzt. Doch betrachten wir das Drohen einmal ganz nüchtern stellen wir fest, dass Verteidigung dem agonistischen Verhalten zuzuordnen ist. Sie hat in dem beschriebenen Kontext lediglich die Sicherung einer Ressource zum Ziel. Dieses Ziel wird, wenn nötig mittels Aggressionsverhalten verfolgt. 

Kurzum könnten wir das Drohen mit „Das ist meine Ressource!“ übersetzen. Ein Hund hat keine andere Möglichkeit uns dies mitzuteilen, denn ihm steht nun einmal die Option der Sprache nicht zur Verfügung.

Als eindeutiges Anzeichen einer Aggression nehmen wir nur allzu oft das Knurren des Hundes wahr. Doch ist dies tatsächlich das erste Anzeichen von Aggression?

Bevor ein Hund knurrt zeigt er eine Vielzahl an Verhalten, welche bereits als Konfliktzeichen wahrgenommen werden können und müssen. 

Welche Konfliktzeichen können wir erkennen?

Stell dir deinen Hund vor, wie er genüsslich einen Knochen kaut. Du näherst dich deinem kauenden Hund. Dieser verlagert plötzlich sein Gewicht (beispielsweise dreht er seinen Kopf samt Knochen von dir weg) oder legt eine Pfote auf seine „Beute“. 

Bereits diese kleine Gewichtsverlagerung sagt viel aus und gibt dir die Info, dass dein Hund deine Annäherung aktuell nicht begrüßt. Er schützt seine Ressource.

Näherst du dich weiter deinem Hund, kannst du häufig ein Stocken beobachten. Dein Hund stockt kurz und unterbricht für kurze Zeit das Fressen. Dieses „Aufhören“ oder „Einfrieren“ ist ein weiteres Konfliktzeichen deines Hundes. Einfrieren kannst du komplett oder auch nur partiell beobachten. Friert ein Hund komplett ein, rührt er sich für eine kurze Zeit nicht mehr und verharrt in einer bestimmten Position.

Meist wird dieses Einfrieren begleitet durch einen starren Blick von unten nach oben und dem deutlich erkennbaren weißen Halbmonden am unteren Rand der Augen deines Hundes. 

Nimmst du diese ersten eindeutigen Konfliktzeichen deines Hundes nicht wahr und näherst dich ihm weiterhin, wird dein Hund dich mit hoher Wahrscheinlichkeit anknurren. Warum du dieses Knurren als Kommunikationsmittel wahr- und ernst nehmen solltest liest du hier

Was du tun solltest, wenn dein Hund dich anknurrt

Solltest du die beschriebenen Zeichen (wegdrehen, einfrieren, anknurren, schnappen bei Annäherung) an deinem Hund bemerken ist es wichtig Ruhe zu bewahren und den Abstand zunächst zu deinem Hund zu vergrößern bis dieser wieder ruhig fressen kann. 

Das Kind ist in diesem Augenblick eh schon in den Brunnen gefallen und so heißt es nun – sinnvollen Trainingsplan erstellen!

Dann hat ja der Hund gewonnen!

Viele Hundehalter haben Angst das Gesicht zu verlieren, wenn sie den Hund „gewinnen lassen“. Zu viele Behauptungen kursieren in diversen Foren, welche die Theorie untermauern, der Hund würde den Menschen nicht als ranghöher anerkennen und somit nicht einsehen, diesem besagte Ressource zu überlassen.

An dieser Stelle möchte ich keine Grundsatzdiskussion über angebliche Rangordnungen zwischen Mensch und Hund führen.

Nur soviel sei gesagt – „Wer nur einen Hammer kennt, dem kommt jedes Problem wie ein Nagel vor“ (Paul Watzlawick)

Zeigt der Hund ein Meide- oder sogar Aggressionsverhalten gegen den Menschen, ist dies lediglich eine Information, dass ein dringender Trainingsbedarf besteht. Befindet sich der Hund bereits in einem Konflikt, ist ein sinnvolles und zielführendes Training nicht mehr möglich, d.h. für ein zielführendes Training ist es wichtig eine Situation zu schaffen, in der der Hund etwas lernen kann und das ohne in einen intrinsischen (inneren) Konflikt zu geraten. Das Signal des Ausgebens soll perspektivisch mit guten Gefühlen verknüpft sein, dies schaffen wir jedoch nur in einem konfliktfreien Trainingssetting. Aus diesem Grund ist es notwendig dem Hund seine Ressource zunächst zu überlassen und den geordneten Rückzug anzutreten. Überlege mit einem versierten Trainer, wie eine sinnvolle Trainingssituation aussehen müsste und besprecht eure ersten Trainingsschritte.

Merke: Knurrt dein Hund dich an, ist dies lediglich eine Information für dich, dass bei euch beiden ein erhöhter Trainingsbedarf besteht!

immer das Ziel vor Augen

Das Ziel eines sinnvollen Ausgabetrainings sollte immer sein, dass der Hund seine Ressource GERN ausgibt.

Vernachlässigt deine Zielvorgabe dieses scheinbar winzige Detail, wird das Ausgeben immer in einem Aversions-Aversionskonflikt für deinen Hund enden. 

Heißt, dass er ausschließlich die Wahl zwischen ‚ausgeben und Ressource verlieren‘ und ‚Ressource behalten aber Ärger von seinem Menschen bekommen‘ haben wird. Da beide Optionen jedoch als unangenehm und strafend vom Hund empfunden werden, wird das Ausgeben niemals freudig und somit zuverlässig trainiert werden können. 

Verhalten, egal welches, wird ausschließlich zuverlässig, wenn eine belohnende bzw. verstärkende Komponente damit einhergeht. 

Schauen wir uns also in diesem Zusammenhang einmal die zu Beginn meines Artikels genannten Übungen zum Erlernen des Ausgebens an und überprüfen diese auf genau dieses Kriterium zum Erhalt eines zuverlässigen Verhaltens (in unserem Fall des Ausgebens von Ressourcen).

oft empfohlene Übungen und ihre Sinnhaftigkeiten

Übung 1: 

Hund vor dem Futternapf warten lassen

Ablauf: 

Der Hund erhält bevor der Futternapf auf den Boden gestellt wird ein Wartesignal. Der Napf wird abgestellt und der Hund wartet vor eben diesem bis zum Freigabesignal des Menschen.

Sinnhaftigkeit:

Die Frage bei dieser Übung ist wie so oft – Was soll der Hund lernen und was lernt er tatsächlich?

Was der Hund meist lernen soll ist, dass der Mensch über die Ressource Futter entscheidet und diese freigibt. Ziel ist meist, dass der Hund akzeptiert, dass der Mensch entscheidet, was wann wem gehört.

Was der Hund tatsächlich lernt ist ein gewisses Maß an Impulskontrolle 

aufzuwenden, um geduldig vor seinem Napf warten zu können. Er lernt im 

Idealfall auch die Bedeutung des Wartesignals, ebenso wie die des 

Freigabesignals. 

Ich kann nicht sagen, dass diese Übung per se ungünstig ist, jedoch sollte 

man immer genau wissen, was man da tut und welche Vor- und Nachteile 

entstehen können. Lässt man den Hund nur kurz warten, kann diese Übung sehr sinnvoll sein und Ritualcharakter erhalten, was wiederum bei sehr aufgeregten Hunden entspannend wirken kann. Lässt man den Hund zu lang warten (zu lang ist übrigens sehr individuell), kann genau das Gegenteil der Fall sein und das Füttern kann mit einem hohen Erregungslevel verbunden werden, der Hund steigert sich in das Szenario hinein und schlingt in gesundheitsschädlicher Geschwindigkeit nach Freigabesignal alles hinunter.

Fazit der Übung:

Das Warten vor dem Futternapf kann sinnvoll sein, birgt aber auch einige Nachteile und Risiken. In jeden Fall jedoch ist sie KEINE Übung, um einem Hund beizubringen, sicher eine Ressource auszugeben.

Übung 2: 

Den Futternapf hochnehmen und wieder hinstellen.

Ablauf: 

Der Hund erhält die Freigabe zum Fressen. Während dessen wird der Napf immer mal wieder hochgenommen, sodass der Hund das Fressen unterbrechen muss, um im Anschluss nach erneutem Hinstellen des Napfes weiter fressen zu können.

Sinnhaftigkeit:

Auch hier stellt sich wieder die Frage – Was soll der Hund lernen und was lernt er tatsächlich?

Was der Hund meist lernen soll ist, dass der Mensch über die Ressource Futter entscheidet und diese freigibt. Ziel ist meist, dass der Hund 

akzeptiert, dass der Mensch entscheidet, was wann wem gehört.

Was der Hund tatsächlich lernt ist, 

– dass der Akt des Fressens, wenn der Mensch in der Nähe ist massiv stressend ist

– man schnell alles fressen muss, bevor der Napf das nächste Mal entwendet wird

– der Mensch ein ernst zu nehmender Futterkonkurrent ist (das Verteidigen von Futter wird vermutlich gefördert)

Fazit der Übung:

Das wiederholte Unterbrechen des Hundes beim Fressen durch 

Hochnehmen des Napfes ist nicht zu empfehlen. Sicher könnte man das Hochnehmen unter ein Signal stellen und das Aushalten des Hundes während der ‚Napfwegnahme‘ gut belohnen. Jedoch stellt sich mir die Frage – Warum man so etwas tut sollte.

Der ursprüngliche Hintergrund der Übung, nämlich, dass der Hund das Ausgeben einer Ressource erlernen soll, wird niemals als Resultat dieser Übung hervor gehen.

Warum habe ich diese beiden Übungen nun also angeführt, wenn sie doch nun nachweislich nicht zielführend, in Bezug auf das Trainieren des Ausgebens wirken? 

Weil diese beiden Übungen in etlichen Foren und bei einer Vielzahl an Hundehaltern als Standardübungen diskutiert werden, wenn es um das Training der Ressourcenausgabe geht. Ich möchte jedem engagierten Hundehalter also ans Herz legen, jede empfohlene Übung stets auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen und sich immer die Frage zu stellen – Was soll der Hund lernen und was lernt er tatsächlich?

sinnvolles Ausgabetraining

Wie bereits angemerkt, sollte das definierte Ziel sein, dass der Hund eine Ressource FREUDIG auf Signal ausgibt. 

Das heißt, das Ausgeben muss immer einen Mehrwert für den Hund aufweisen.

Wichtig ist also nicht, dass wir als Chef auftreten und dem Hund befehlen, seine aktuelle Ressource sofort fallen zu lassen, sondern ihm vielmehr ein Angebot zu machen, was er nicht abschlagen kann.

Da wir bereits festgestellt haben, dass sich das Ausgeben immer lohnen muss, um (wie bereits geschrieben) einen verstärkenden Faktor im System zu etablieren, der dafür sorgt,  dass das Verhalten ‚Ausgeben‘ auch zukünftig bestehen bleibt und zuverlässig gezeigt wird, ist es wichtig das richtige Setting des Trainings zu wählen.

Trainingssetting:

  • ablenkungsarme Situation wählen (keine rennenden Kinder, kein Besuch, …)
  • Trainingsressource wählen, welche eine mindere Wertigkeit aufweist (oftmals Trockenfutter, Apfel, Möhre, …)
  • Ausdrucksverhalten des Hundes genau beobachten / sich und den Hund eventuell filmen lassen (Gewichtsverlagerungen, Einfrieren, … sind erste Konfliktzeichen)
  • Belohnungen sehr hochwertig wählen bsp. Fleischwürfel (Verhalten des Ausgebens soll sich lohnen) 
  • immer das selbe Signal fürs Ausgeben verwenden (wenn das bisherige Signal nicht funktioniert oder negativ belegt ist, empfiehlt es sich ein neues Signal bsp. „meins“ aufzubauen)

Merke: Beachte stets die jeweiligen Wertigkeiten von Ressource und Belohnung!!! Die Belohnung muss immer hochwertiger sein, als die Ressource. Entweder in Qualität, Quantität oder Darreichungsform.

mögliche Übungen

  • eine kleine Menge Futter in den Napf legen, während der Hund frisst immer wieder neue kleine Portionen dazulegen (nur bei Hunden mit leichter Verteidigungstendenz!!!)
  • Wenn der Hund auf dem Spaziergang einen kleinen, für ihn spannenden, Gegenstand findet und diesen trägt, kann man so nah an den Hund heran gehen wie er noch kein Meideverhalten zeigt, das neue Signal „meins“ geben und ihm etwas Hochwertiges zuwerfen. Somit wird das neue Signal zum Ankündiger einer hochwertigeren Ressource  vom Menschen als das vom Hund Gefundene
  • Hund frisst einen Knochen, Signal „meins“ wird gegeben und eine hochwertige Ressource wird geworfen
  • je eine Kaustange in den Händen halten, Hund an einer Stange kauen lassen (Stange weiterhin festhalten), Signal „meins“ geben und zweite Kaustange direkt vor den Fang des kauenden Hundes halten. Der Hund wird die erste Stange loslassen und die zweite Stange kauen

Wichtig bei allen Übungen ist IMMER, genügend Abstand zum Hund zu wahren. Die Ressource (außer in Übung 4) wird zu Beginn des Trainings NICHT angefasst. Unser Ziel ist, nicht als Konkurrent empfunden zu werden. Dies würden wir jedoch werden, wenn der Hund die Ressource am Ende, trotz Belohnung abgeben müsste!!!! 

Die vorgestellten Übungen sind lediglich Trainingsansätze, die dir das Konzept des Ausgabetrainings vermitteln sollen. Einzelne Trainings(fort)schritte müssen unbedingt mit einem kompetenten Trainer besprochen werden.

Im weiteren Trainingsverlauf kommen immer mehr Kriterien wie das schrittweise Annähern an den Hund und ganz am Ende natürlich auch das Anfassen der Ressource dazu. 

ABER: Die Ressource wird dem Hund auch am Ende des Trainings immer wieder zurück gegeben (bis auf wenige Ausnahmen – Gefahr in Verzug), denn nur so wird uns der Hund einen hochwertigen Knochen und Co. ein Hundeleben lang zuverlässig bringen und ausgeben.

Welpen 

Sehr häufig werden die Grundsteine einer Ressourcenverteidigung leider im Welpenalter gelegt. Welpen und junge Hunde durchlaufen eine orale Phase, in der sie viele Dinge in den Fang nehmen und so begreifen (wie Menschenkinder übrigens auch!). 

Oftmals geraten frisch gebackene Welpeneltern schnell in Panik, wenn der kleine Hund nun einen Stein oder ähnliches im Fang herumträgt, rennen dem kleinen Fellgesicht hinterher und entreißen diesem seine neue Errungenschaft. 

Klarer Fall von – was lernt der Hund?

Im besten Fall lernt der Hund – wenn ich Steine und Co. herumtrage hab ich die volle Aufmerksamkeit meiner Menschen inne. Das mache ich jetzt öfter.

Im schlechtesten Fall lernt der Hund – Wenn ich einen Stein finde, muss ich diesen schnell herunterschlucken, sonst nimmt mein Mensch mir diesen weg.

Oftmals entwickelt sich hieraus eine Ressourcenverteidigung des kleinen Hundes, da dieser von Beginn an lernt, dass der Mensch in der Nähe von sämtlichen Ressourcen eine Gefahr für eben diese darstellt.

Besser macht sich hier, dem Hund beizubringen, dass es sich lohnt, sämtliche gefundenen Dinge auf Signal zum Menschen zu bringen, um hierfür eine Belohnung abzuholen. Bemerkt man hierbei, dass der Hund vermehrt Dinge aufnimmt, weil er dafür gern eine Belohnung abholen würde, kann man schließlich die Frequenz der Belohnung hierfür wieder sinken lassen und nur jedes zweite oder dritte Gefundene und Gebrachte belohnen. Aber die Lösungen eventueller Verhaltensketten soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Der Gefahr einer Ressourcenverteidigung hat man allemal entgegengewirkt. 

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass einer Ressourcenverteidigung gut entgegengewirkt werden kann. Sowohl präventiv, als auch im Training eines schon bestehenden Themas gibt es zahlreiche Möglichkeiten einer Ressourcenaggression des Hundes entgegenzuwirken. Unabdingbar hierfür ist jedoch in jedem Fall ein kompetenter Trainer, der sinnvolle Trainingspläne ohne Gefahr für den Menschen erstellen kann und die Hintergrundmotivationen des Hundes versteht. Übungen aus Foren und von selbsternannten Hundeexperten müssen stets auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden, damit sich perspektivisch ein Erfolg einstellen kann.

In diesem Sinne alles Liebe 

eure Nadine Keune

Juhu, ein Welpe zieht ein  – die Sache, mit dem Alleine bleiben

Juhu, ein Welpe zieht ein – die Sache, mit dem Alleine bleiben

Der Einzug eines Welpen ist meist mit einer großen Freude aller Beteiligten verbunden. Die meisten frisch gebackenen Welpeneltern nehmen sich 2 Wochen Urlaub, um der kleinen Fellnase die Eingewöhnung an das neue Zuhause zu erleichtern. Häufig nehmen sich die Zweibeiner sogar 2 Wochen versetzt Urlaub, sodass der Welpe durchgängig 4 Wochen Betreuung durch seine neuen Eltern erfährt.

In dieser ersten Zeit lernen sich beide Seiten kennen und meist auch lieben – erste Spielzeuge werden gekauft, das Lieblingsfutter des kleinen Rackers wird 3 Mal am Tag liebevoll in den Napf gefüllt, es wird gekuschelt und geschmust und jede Stunde wird der kleine Hund auf die Wiese gesetzt, damit er so schnell wie möglich stubenrein wird. Kurzum – ein perfektes Hundeleben.

Doch was passiert, wenn die ersten 4 Wochen der Eingewöhnung vorüber sind? Der normale Alltag hält Einzug und der kleine nun meist erst 12 Wochen alte Welpe wird zum ersten Mal allein gelassen. 

Nicht selten berichten die Welpeneltern in der 3. oder 4. Welpenstunde, dass das Hundebaby in der vergangenen Woche schon schön allein geblieben ist. Auf mein Nachfragen hin, über wieviele Stunden Alleinbleiben wir gerade sprechen, klären mich die Welpeneltern dann auf, dass sie nun wieder arbeiten gehen und es das kleine Fellknäuel schon schafft, den ganzen Tag (6 bis manchmal 9 Stunden) ohne Probleme allein zu bleiben. 

Die Freude darüber kann ich an dieser Stelle leider nicht teilen und kläre „meine“ Welpeneltern auf…

Welpe = Baby

Ein Hund ist bis zur 16. Lebenswoche ein Welpe, also ein Baby. Babys sind allein hilflos, nicht stubenrein, haben häufig Hunger, haben allein Angst, brauchen ganz viel Wärme, Liebe & Zuwendung und haben aufgrund keiner bisherigen Erfahrungen keinerlei Potential Probleme selbstständig lösen zu können.

Die Blase eines Welpen ist noch sehr klein und kann noch nicht willentlich gesteuert werden. Babyhunde müssen also aller 1 bis 3 Stunden (je nach Lebenswoche) zum Lösen nach draußen gebracht werden. Welpen haben einen kleinen Magen und benötigen eine Futterzufuhr von mindestens 3 Portionen über den Tag verteilt. Die Unfallgefahr für ein Hundekind ist riesig und sollte wie beim Menschenkind so klein wie möglich gehalten werden. Diese Bedingungen zu erfüllen, wenn der Welpe länger als 2 Stunden allein bleiben muss, ist nicht realisierbar.

Aber andere Hundehalter machen das auch so

Die Häufigkeit einer Handhabe macht sie nicht richtiger! Oftmals höre ich auf meine Äußerungen des Bedenkens hin Sätze wie „meine Kollegin macht das auch so und das klappt super!“ …

Dieser Versuch der Selbsttäuschung kann nicht gelten. Es ist einfach verwerflich einen Welpen so lang sich selbst zu überlassen. Hierfür besteht kein Argumentationsspielraum.

Der ideale Zeitpunkt

Wichtig ist, dass der Welpe sich zunächst erst einmal eingewöhnt im neuen Zuhause, sich zugehörig und geborgen fühlt. Das ist im Regelfall (Welpe ist mit der vollendeten 8. Woche eingezogen) nach ca. 6 Wochen der Fall. Der Welpe ist nun also 14 Wochen alt und kann nach einiger Vorarbeit im Alleinbleibtraining nun die ersten Minuten allein gelassen werden. Für 5 Minuten, wenn du den Müll wegbringst, dem Nachbarn seine leere Salatschüssel zurückbringst, oder die Zeitung vom Briefkasten holst. Diese kurzen Einheiten sind wichtig für den Welpen, um Vertrauen in die Situation aufbauen zu können, dass du wieder kommst – und das BEVOR er in Stress gerät!!!! Für diese ersten Übungen benötigst du meist zwischen 3 bis 4 Wochen (Dein Welpe ist nun 18 Wochen alt). Wenn der kleine Hund nun diese kurzen Sequenzen des Alleinbleibens gut meistert, ohne in Stress zu geraten (bellen, jaulen, über Tische und Bänke gehen) ist es Zeit, die Sequenzen auszudehnen, sodass er nach einigen Wochen in der Lage ist bis zu 4 Stunden allein bleiben zu können. Dein Welpe ist nun zwischen 20 und 24 Wochen  (5 bis 6 Monate) alt. 

Mit 5 bis 6 Monaten ist dein Welpe in der Lage seine Blase zu kontrollieren und hält, wenn er gesund ist, bis zu 4 Stunden durch, ohne sich lösen zu müssen. 

Das heißt im Klartext, dass das Hundekind bis jetzt auch nicht länger als bis maximal 4 Stunden allein geblieben sein darf. 

Ab dem 7. Lebensmonat kann man dann beginnen, die Zeit des Alleinbleibens Stück für Stück auszudehnen, wobei eine maximale Zeit von höchstens 6 Stunden niemals überschritten werden darf! Ein erwachsener Hund muss sich nach ca. 6 Stunden lösen. Hinzu kommt die Tatsache, dass ein Hund ein soziales Tier ist und seinen Menschen als Sozialpartner für seine mentale Gesundheit benötigt. Es sollte vermieden werden, den Hund öfter als 4 Mal in der Woche für volle 6 Stunden allein zu lassen, da dies eine Maximalangabe ist, welche nicht täglich ausgereizt werden sollte.

Ich bin Vollzeit berufstätig – wie soll ich das denn machen?

Das scheinbare Argument der Berufstätigkeit kann nicht gelten. Unsere Hunde haben es sich nicht ausgesucht bei und zu leben, sie wurden meist ausgewählt und mitgenommen. Wir tragen die Verantwortung unsere Hunde ordnungsgemäß, tierschutzkonform und artgerecht zu halten. Eine Vollzeitstelle ohne Hundebetreuungsmöglichkeit schließt eine Hundehaltung aus!! Auch, wenn der Hund den ganzen Tag im Garten ist und dort sein Leben im Freien fristen darf. 

Selbst unsere sonst so dehnbare Hundeverordnung verfasst:

§2 Abs. 3

„Einem einzeln gehaltenen Hund ist täglich mehrmals die Möglichkeit zum länger dauernden Umgang mit Betreuungspersonen zu gewähren, um das Gemeinschaftsbedürfnis des Hundes zu befriedigen.“

Vollzeit – kein Hund?

Wenn man einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, ist es dennoch möglich einen Hund zu halten. Eine notwendige Bedingung hierfür ist jedoch die tägliche Möglichkeit einer Hundebetreuung. Vielleicht gibt es um die Ecke eine nette Hundepension, oder einen Gassiservice, einen netten Nachbarn, der sich über die Gesellschaft deines Hundes sehr freut, oder einen Studenten, der Zeit hat sich während deiner Abwesenheit um deinen Hund zu kümmern…

Im Übrigen rechtfertigt auch die Haltung eines Zweithundes nicht das Alleinbleiben von mehr als 6 Stunden am Tag!!

Fazit

Möchtest du dir einen Welpen anschaffen bedenke zunächst, ob es dir möglich ist deinen Welpen in den ersten 6 Monaten täglich und rund um die Uhr zu betreuen. Sollte dies nicht möglich sein ist es einen Gedanken wert die örtlichen Tierheime anzufahren, um einem älteren Hund ein neues Zuhause zu bieten.

Auch nach dieser Zeit sollte dein Hund (egal welchen Alters) nicht länger als 6 Stunden täglich allein bleiben müssen. Im Idealfall kommt dies nicht öfter als 4 Mal pro Woche vor.

Die Hundehaltung ist toll und bereitet große Freude, welche jedoch auf beiden Seiten bestehen sollte. 

Eine Alternative für die Haltung eines eigenen Hundes ist zum Beispiel auch eine Patenschaft für einen Hund, dessen Besitzer eine Betreuung sucht, oder du erkundigst dich im örtlichen Tierheim nach einer Pflegemöglichkeit. 

Warum Mantrailing deinem (ängstlichen) Hund helfen kann

Warum Mantrailing deinem (ängstlichen) Hund helfen kann

Ein sehr häufiger Anlass meines Jobs ist es, die Ängstlichkeit bei Hunden in bessere Bahnen zu lenken. Ihnen so gut wie möglich die Ängste zu nehmen, Lösungsstrategien zu zeigen und dem jeweiligen Hund-Menschen Team den Alltag wieder ein Stück lebenswerter zu machen. Ängste bei Hunden sind leider nicht selten. Hervorgerufen durch schlechte oder keine Erfahrungen, Überforderung, Schreckerfahrungen, Krankheiten und vieles andere. Die Ängste sind meist weitreichend und ziehen große Kreise. Eine konkrete Angst vor bestimmten Reizen wie anderen Hunden, fremden Menschen oder klappernden Fahrrädern treibt viele Hundehalter nicht selten in die Verzweiflung.

Im besten Fall beginnt hier schließlich ein kleinschrittiges und geduldiges Training mit dem lieben Vierbeiner und seinem Menschen.

Gegenkonditionierung

Das Training gegen die Angst sieht in der Regel eine Gegenkonditionierung vor, welche darauf abzielt, die negativ konditionierten Reize umzukonditionieren.

Das heißt – ein Reiz ist aktuell für deinen Hund vielleicht negativ verknüpft …

Mensch heißt:

1. mein Mensch nimmt die Leine kurz

2. der fremde Mensch kommt mir zu nah

3. ich habe Angst und kann nicht weg)

… und soll nun positiv verknüpft werden zu

Mensch heißt:

  1. mein Mensch weicht mit mir aus
  2. ich bekomme ein Leckerli
  3. mein Mensch lässt die Leine locker

Denn erst, wenn der negativ verknüpfte Reiz positive Gefühle auslöst kann das eigentliche Training erst beginnen. (siehe auch: warum du knurren belohnen solltest)

Mantrailing

An dieser Stelle kommt das Mantrailing ins Spiel.

Beim Trailen sucht der Hund einen versteckten (fremden) Menschen anhand dessen Individualgeruchs auf der hinterlassenen Spur (Trail). Der gefundene Mensch belohnt den Hund dafür ausgiebig mit einer sehr hochwertigen Ressource (meist Futter, oder Spiel).

Durch diese Kette an Verhalten konditionieren wir den fremden Menschen also automatisch gegen und machen ihn zu einem positiven Reiz für den Hund.

Doch nicht allein die Belohnung am Ziel wirkt positiv.

Beim Trailen geht der Hund einer Vielzahl an Dingen nach, die er von sich aus, als intrinsische Motivation, gern macht.

So bereitet es den meisten Hunden große Freude einer Spur nachzugehen, um zu schauen, wo diese entlangläuft, wo sie endet und was sich Spannendes am Ende befindet.

Schnüffeln ist ein selbstbelohnendes Verhalten, was von ganz allein zur Ausschüttung von Glückshormonen führt. Für die meisten Hunde ist auch das „Ziehen dürfen“ und das „Richtung entscheiden dürfen“ selbstbelohnend und positiv. Wann folgt Frauchen oder Herrchen denn sonst schon einmal einer straffen Leine über Stock und Stein?!

Die versteckte Person am Ende des Trails mit der angebotenen Superüberraschung tut dann ihr Übriges.

Mythen

Trotz der Vielzahl an positiven Nebeneffekten des Trailens (neben der artgerechten Auslastung und dem Spaßfaktor für beide Enden der Leine) begegne ich jedoch immer wieder Menschen mit Vorurteilen dem Trailen gegenüber, welche meist erst nach der ersten Traileinheit aus der Welt geschafft werden können.

Warum ist das so?

Trailen und seine positive Wirkung auf Hund und Mensch steht und fällt natürlich mit der Art und Weise des Trainings. Aus diesem Grund ist es unendlich wichtig, den richtigen Trainer am seiner Seite zu haben – gerade bei ängstlichen Hunden!!!!

Mythos Nummer 1: der Hund lernt an der Leine zu ziehen

Hunde, die im Alltag unter ihrer Angst leiden stehen zwangsläufig unter einem enormen Stress. Leinenführigkeit ist hier meist nur sehr schwer zu trainieren, da der Hund oft viel größere Probleme hat, als nicht an der Leine zu ziehen.

Wenn ich Hunde mit massiver Angst im Training habe lege ich keinen Wert auf Leinenführigkeit, da dies eine Extraportion Stress für den Hund bedeuten würde.

Für die Besitzer ist das meist demotivierend, weil ein leinenführiger Hund um einiges einfacher zu handeln wäre.

Kommen diese Menschen nun mit ihren ziehenden Hunden ins Training merken sie schnell, dass sich das „gegen die Leine Gehen“ auch positiv anfühlen kann. So zum Beispiel, wenn der sonst so ängstliche Hund selbstbewusst nach vorn geht und die versteckte Person zu suchen beginnt.

Die Hunde lernen schnell wann ein Ziehen erwünscht ist und wann eher nicht – wie im Alltag zum Beispiel. Dieser Unterschied wird dem Hund auch mittels zahlreicher Signale schnell klar.

Wenn der Hund 1-2 Mal in der Woche also „erlaubt“ ziehen darf befriedigen wir hier ein Bedürfnis und es wird viel einfacher für uns Hundebesitzer dem Hund zu vermitteln, dass ansonsten nicht gezogen werden sollte. Der ängstliche Hund, der zieht, weil er gestresst ist, wird im Alltag immer weniger ziehen, weil die Angst sich legt, er selbstsicherer wird und entspannter laufen kann als vor dem Trailen.

Mythos Nummer 2: der Hund lernt andere Menschen anzuspringen

Auch dieser Mythos lässt sich schnell entkräften. Hunde springen meist aus Frust, zu viel Energie, mangelnder Impulskontrolle, …

Alles das sind Punkte, die wir durch ein durchdachtes Trailen automatisch mittrainieren. So kann ein artgerecht ausgelasteter Hund seine Energie besser verwalten und einteilen, ist nicht mehr so aufgeregt und hat sich insgesamt viel besser unter Kontrolle. Der ängstliche Hund, der Menschen anspringt, weil er sie vertreiben möchte empfindet den fremden Menschen nicht mehr als negativ – die Springmotivation lässt also auch hier nach.

Im weiteren Verlauf des Trainings wird ein Anzeigeverhalten etabliert. So zeigt der Hund später etwa durch Sitzen, Liegen, Bellen, … an, dass er den gesuchten Menschen gefunden hat.

Mythos Nummer 3: der Hund wird überfordert und gestresst (durch den Zug auf der Leine, durch die Suche an sich, …)

Wichtig ist ein kompetenter Trainer, der weiß was er tut. Stress, Druck und Zwang haben im Mantrailing nichts verloren. Im Vordergrund muss die Motivation des Hundes stehen, denn nur so wird dieser gut, gerne und zuverlässig suchen.

Hunde, die sinnvoll aufgebaut wurden, mit Spaß bei der Arbeit sind, ihren Menschen hinten an der Leine als Partner sehen und nicht als „Treiber“ und denen Trails gelegt werden, die sie tatsächlich auch lösen können, werden weder gestresst noch überfordert.

das Gute für den Menschen

Oftmals verzweifeln Hundebesitzer mit ihren ängstlichen Hunden. Der Alltag muss meist haarklein überdacht werden, Familienfeste können oft nicht besucht werden, weil der Hund der Situation nicht gewachsen wäre, Freunde kommen oftmals auch zu kurz, weil der Hund die Nähe der fremden Menschen nicht ertragen könnte.

Wenn Menschen mit ängstlichen Hunden zum Trailen kommen beginnen sie ihren Hund wieder mit anderen Augen zu sehen. Sie sehen Fortschritte, Besserungen, Hoffnung und Freude beim Hund. Sie sind wieder stolz auf ihren Hund und dessen Leistung. Die Entwicklungen „meiner“ Angsthunde beschert mir jedes Mal aufs Neue einen dicken Kloß im Hals. Es ist toll dabei sein zu dürfen, wenn ein Hund jede Woche mutiger wird und sich am Ende sogar über fremde Menschen freut. Das Training verändert nicht selten den gesamten Alltag der Teams und läßt so manchen Vierbeiner mental wachsen.

wie du einen guten Trainer erkennst

  • er erfragt zunächst eure Geschichte (Probleme im Alltag, Ängste, Thematiken, …)
  • er klärt die Besonderheiten deines Hundes ab (Krankheit, Alter, Eigenarten, …)
  • er klärt deine Anliegen und Wünsche ab
  • er passt die Trails an dich und deinen Hund an
  • du fühlst dich immer gut informiert und „mitgenommen“
  • der Hund wird positiv geführt (ohne Schreckreize, Gewalt, Druck, Zwang, …)
  • der Trainer begleitet jeden Trail
  • der Hund läuft maximal 2 Trails (bei schwierigen Trails maximal 1 Trail) pro Training
  • dein Hund kann frei entscheiden, ob er zur versteckten Person hingehen möchte  (wenn er nicht hingehen möchte, wird das Training angepasst)

Ich habe mich dem K9® Suchhundenetzwerk angeschlossen. Hier findest du einen kompetenten Trainer in deiner Nähe.

Fazit

Gerade ängstliche Hunde profitieren meist stark vom Mantrailing. Das Trailen verbindet zahlreiche Faktoren effektiven Trainings bei Angsthunden. Artgerechte Auslastung, die systematische Gegenkonitionieren des negativ verknüpften Reizes sowie die Steigerung der Bindung zwischen Hund und Mensch schafft für mich eine perfekte Ergänzung zum Training bei Angst.

Achte darauf einen kompetenten Trainer an deiner Seite zu haben, der über Belohnung und Motivation arbeitet, dann wirst du und dein Hund von eurer neuen Beschäftigung enorm profitieren.

Wie du in Konflikten unter Hunden am besten reagierst?

Wie du in Konflikten unter Hunden am besten reagierst?

Hast du das auch schon einmal gehört: „Hunde klären das unter sich?“ Gemeint ist hier die Konfliktlösung unter Hunden im sozialen Kontext. Eine Vielzahl an Hundehaltern geht davon aus, dass man Streitigkeiten unter Hunden nicht unterbrechen sollte. Man soll die Hunde ihre Konflikte selbst austragen lassen. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Sollte man Hunden diese große Aufgabe übertragen und vor allem – sind Hunde überhaupt fähig diese soziale Herausforderung zu bewältigen?

Konflikte

Beginnen wir zunächst einmal damit zu klären was ein Konflikt eigentlich ist. Es gibt eine Vielzahl an Kategorien, in die man Konflikte einteilen kann. Konflikte unter Hunden fallen in die Kategorie „intraspezifische Konflikte“, weil sie zwischen zwei Vertretern der selben Art bestehen. Konflikte, ob mit sich selbst (soll ich hin- oder weglaufen) oder zwischen mindestens zwei Individuen definieren sich immer durch konkurrierende Motivationen. Das heißt – Hund 1 möchte seinen Knochen kauen – Hund 2 jedoch mit Hund 1 spielen. Diese beiden Motivationen konkurrieren miteinander. Sie sind nicht miteinander zu vereinbaren.

Konfliktlösung – Idealfall

Der Idealfall sieht so aus – beide Hunde können als hochgradig sozial kompetent beschrieben werden. Sie besitzen die Fähigkeit sehr fein mit anderen Hunden zu kommunizieren. Jegliche Beschwichtigungs- oder Konfliktzeichen des Gegenübers werden sofort erkannt und der sozial kompetente Hund antwortet sofort mit Deeskalation hierauf. Konflikte zwischen beiden Hunden würden so im Keime erstickt werden – dieser Idealfall würde dazu führen, dass man Hunde tatsächlich „machen lassen“ könnte. Diese Hunde würden unsere Hilfe nicht benötigen, um eine Konfliktlösung zu erzielen, die für alle Seiten annehmbar wäre. Dies ist jedoch die absolute Ausnahme. Seltener kann man diesen beschriebenen Idealfall bei sich fremden Hunden, öfter bei sich bekannten Hunden beobachten.

Realität – Konflikte zwischen fremden Hunden

Die Realität sieht jedoch etwas anders aus. Im wahren Leben treffen Hunde unterschiedlicher Herkunft, Erziehung, Hintergründe, Motivationen, Erfahrungen, … aufeinander. Hinzu kommt, dass Hunde meist fremd aufeinander treffen. Sie kennen das Gegenüber oftmals nicht. Sie können somit nicht aus Erfahrungen schöpfen und gehen von vorn herein mit einem gewissen Sicherheitsaspekt in Konflikte. Jeder Hund hat seine eigenen Baustellen – sei es die Ressourcenverteidigung (alles meins); die Angst vor großen Hunden; die Jagdmotivation, wenn ein kleiner Hund schnell wegläuft; das Bedürfnis nach großer Distanz zu Menschen; …

All diese Motivationen und Erfahrungen beeinflussen unsere Hunde. In wieweit uns fremde Hunde gelernt haben mit Konflikten umzugehen wissen wir nicht und pokern somit hoch, wenn wir unseren Hund nicht unterstützen.

Konfliktpotential

Ziel muss es sein, Konflikte zwischen Hunden so schnell wie möglich nett zu unterbrechen und zu managen. Konfliktpotential wie Ressourcen (Bälle, Futter, Stöcke, …) können und sollten mit Bedacht gehandhabt werden. So sollte Spielzeug oder Futter niemals zwischen die Hunde geworfen werden, denn sei es noch so nett gemeint – hier sind Konflikte vorprogrammiert. Wenn dein Hund keine großen schwarzen Hunde mag, wäre es ratsam deinen Hund nicht in den direkten Kontakt mit einem solchen zu lassen, da hier die Überforderung deines Hundes und ein folgender Konflikt sehr wahrscheinlich ist.

bekannte Hunde

Wie verhält sich die Sache der Konflikte in bekannten Hundegruppen? Ich habe beobachtet, dass sich Konflikte unter sich bekannten Hunden häufig selbst klären, da die Hunde sich einschätzen können und die Fähigkeit entwickeln individuell auf das Gegenüber einzugehen. Die Hunde drohen meist kurz und gehen dann schlichtend auseinander. Dieses Verhalten sollten wir als Hundehalter stets belohnen.

Aber Vorsicht: Nicht jeder Konflikt zwischen sich bekannten Hunden verläuft ohne unser Zutun annehmbar. 

Beispiel:

Wir waren vor Kurzem mit einem befreundeten Hund und dessen Besitzer im Urlaub. Malik bevorzugt eine größere Distanz zu anderen Hunden – der andere Hund sucht jedoch Nähe und Kontakt. Hier konkurrieren zwei Motivationen. Malik ist mit fast 4 Jahren nun bereits in der Lage seine Grenzen klar zu kommunizieren. Das belohne ich und gebe ihm stets Feedback für seine tolle Kommunikation. Der kleine Hund jedoch war nicht in der Lage diese Grenzen zu realisieren und überschritt diese stetig, was Malik dazu veranlasste deutlicher zu werden.

Wenn ich dieses Szenario jetzt laufen gelassen hätte, in der Hoffnung, dass die beiden ihren Konflikt schon unter sich klären würden, hätte Malik immer massiver werden müssen, um dem kleinen Hund seine Grenzen aufzuzeigen. Jetzt könnte man meinen, dass das ein guter Weg sei, denn der kleine Hund müsse es eben lernen. ABER: Dass der kleine Hund Maliks’ Grenzen nicht annehmen konnte hängt von verschiedenen Faktoren in seinem Leben ab (Alter, zur Verfügung stehender Raum, familiärer Stress, Erregungszustand, Impulskontrolle, Erziehung, …). Auch wenn Malik ihm sehr deutlich gezeigt hätte, dass der kleine Hund Grenzen überschritten hat, würde er doch nichts lernen aus einer Eskalation.  Im schlechtesten Fall würde er eine Angst-, Aggressionsproblematik gegenüber anderen Hunden entwickeln und sein generelles Erregungslevel gegenüber anderen Hunden würde wahrscheinlich stark ansteigen.

Und Malik? Hätte er 10 Minuten erfolglos nett versucht seine Grenzen abzustecken, dann aber mit einem beherzten Pfotenstoß auf den Rücken des kleinen Hundes einen schnellen Erfolg erzielt, stellt sich die Frage, welche Taktik er im nächsten Konflikt anwenden wird… Sicher würde er sich demnächst nicht mehr mit 10 Minuten erfolglosem Drohen aufhalten.

Ziel

Ziel sollte es also sein, den Hunden zu lehren Konflikte so schonend wie möglich für alle Seiten zu lösen. Sollte dies durch verschiedene Umstände nicht möglich sein, bist du als Hundehalter gefragt die Situation soweit zu verändern, dass eine Konfliktlösung stattfinden kann. Im Fall von Malik und dem kleinen Hund griff ich auf ein Türgitter zurück, welches Malik seine Distanz zum kleinen Quälgeist gewährleistete und diesem wiederum die Möglichkeit nahm sich hochzuschaukeln.

Solltest du jeden Konflikt sofort unterbrechen?

Ich bin kein Freund davon, alle Konflikte sofort zu unterbrechen und umzulenken, da hier kein soziales Lernen stattfinden kann und ich als Halter immer aktiver Teil der Konfliktlösung bin. Jedoch bin ich, wie schon erwähnt, auch kein Freund davon, Hunde alle Konflikte selbst austragen zu lassen. Denn Konflikte schonend lösen zu können ist eine Fähigkeit, die erst erlernt und gefördert werden muss. Kein Hund kommt mit dieser Fähigkeit auf die Welt und braucht zweifelsohne unsere Unterstützung.

Hunde beobachten

Doch anhand welcher Kriterien entscheidest du nun am besten, wann du den Konflikt deines Hundes mit anderen Hunden unterbrechen solltest?

Zunächst einmal solltest du beobachten, wie dein Hund in konfliktfreien Situationen aussieht. Sicher kannst du ihn als sichtbar gelöst, locker, freundlich beschreiben. Doch wodurch entsteht dieser Eindruck?

Hunde, die entspannt wirken zeigen 

  • einen lockeren Muskeltonus
  • weiche kurvige Bewegungen
  • lockere Gesichtszüge
  • eine entspannte Rutenhaltung (Rutenansatz unter Rückenlinie – außer bei rassebedingten Ausnahmen)
  • lockere, mittige Ohrenhaltung / Ohrenspiel

Befindet sich dein Hund nun in einem sich anbahnenden Konflikt wirst du feststellen, dass die Lockerheit deines Vierbeiners zunehmend abhanden kommt. Er wird vielleicht steifer laufen, einfrieren, schleichen, die Rute hoch tragen (Rutenansatz über Rückenlinie), den Fang schließen, sich ab und an vielleicht über den Nasenspiegel lecken, sich schütteln, … – Spätestens hier solltest du deinen Hund unterstützen.

„… das machst du super!“

Sobald du bemerkst, dass dein Hund in einen sozialen Konflikt schlittert ist es Zeit für dein Markerwort und verbales Lob (Bitte wirf deinem Hund kein Futter oder Spielzeug zu, dies kann als Initialzündung zwischen den Hunden wirken). Du implizierst durch dein Markersignal (Warum du mit Markersignalen besser trainierst) also schon einmal positive Gefühle bei deinem Hund – die können in einem Konflikt ja nie schaden 😉 Unterstütze deinen Hund stets verbal und ruhig.

Beobachte die Hunde und belohne alles das (verbal!!!), was zur Deeskalation beiträgt (sich wegdrehen, weggehen, sich setzen, sich parallel stellen, beschwichtigen, …)

Orientiert sich dein Hund schließlich weg vom Gegenüber und löst sich aus dem Konflikt kannst du (wenn es die Situation zulässt) Futter oder Spielzeug WEG vom anderen Hund werfen. Du schürst damit die Erwartungshaltung bei deinem Hund ‚weg vom anderen Hund ist immer eine gute Idee‘

finde einen guten Mittelweg

Vermeide zu stark ins Geschehen einzugreifen. Eingriffe durch Hineingreifen und aktives Herausnehmen der Hunde sollten gut abgewogen werden, da dies zum einen negative Emotionen in eine eh schon angespannte Situation bringt, zum anderen die Handlungsfreiheit des betroffenen Hundes stark einschränkt.

Sicher gibt es Situationen, in denen ein ins Geschirr greifen sinnvoll sein kann. Dies sollte jedoch vorher gut aufgebaut werden, und nicht nach dem Motto „zack, ich hab dich“ erfolgen, da ein Erschrecken der Hunde in Konflikten in plötzlicher Aggression gegen dich oder den anderen Hund münden kann.

Gehe also ruhig vor, wenn du ein Hineingreifen situativ für sinnvoll erachtest. Kündige dein Hineingreifen an und positioniere dich seitlich zu deinem Hund. Begleite dein Vorgehen mit deinem Markersignal und einem positiv aufgebauten Verhaltensangebot („wir gehen weg“, „ setz dich hin“, …) sowie stetigem verbalen Loben.

Dieses Vorgehen kann bei jungen Hunden sowie Hunden, die im sozialen Kontext noch etwas ungeübt sind von Vorteil sein. Versuche diesen Weg der aktiven Konfliktlösung durch dich jedoch gut abzuwägen und situativ zu entscheiden. Nicht ein Konflikt ist wie der andere…

Ich persönlich halte einen Geschirrgriff nur dann für sinnvoll, wenn der betreffende Hund mit einer Konfliktlösung überfordert wäre und eine solche eher unwahrscheinlich ist.

Prügelknabe

Wie sieht es jedoch aus, wenn du auf der Hundewiese stehst und dein Hund einen anderen Hund mobbt. Ihm hinterher rennt, ihn jagt, schneidet und umrennt…

In solch einem Fall ist es wichtig, dass du deinen Hund sofort zurück pfeifst und alles in Bewegung setzt, um das Mobbingopfer zu retten. Unsichere Hunde neigen häufig dazu soziale Unsicherheiten in Mobbing schwächerer Hunde zu kanalisieren. Solch eine Situation können wir unter keinen Umständen sich selbst überlassen und hoffen, dass die Hunde diesen Konflikt allein lösen. Die Hunde sind in diesem Fall nicht in der Lage diese Situation selbst aufzulösen. Der schwächere Hund steht meist unter starkem Stress und hat große Angst – ist mit der Situation restlos überfordert und findet keinen Ausweg aus der verfahrenen Situation. Bitte überlasse deinen Hund (egal, ob Prügelknabe oder „Täter“) in solch einer Situation niemals sich selbst!!

Malik war eben solch ein Fall. Zu Beginn rannte er mit seinen 45kg alles über den Haufen, was vier Beine hatte und annähernd wie ein Hund aussah. Solche Szenarien sind für alle Beteiligten sehr unschön und können bei dem gejagten Hund schwere psychische Schäden anrichten. Wichtig ist hierbei Verantwortung für den eigenen Hund zu übernehmen und in der Lage zu sein, diesen kontrollieren zu können. Es macht Sinn ein kleinschnittiges Training zu beginnen, was darauf abzielt einen Lösungsmechanismus beim Hund zu verankern, auf den er in Konfliktsituationen zurückgreifen kann. In unserem Fall erwies sich ein Entspannungstraining im Beisein anderer Hunde und stetiges Kontakttraining mit anderen Hunden als sinnvoll.

Fazit

Hunde brauchen in Konflikten zu anderen Hunden meist unsere Unterstützung. Sei es durch verbales Loben, alternative Verhaltensangebote oder das Managen der jeweiligen Situation.

Für wichtig halte ich es jedoch, dass du deinem Hund die Möglichkeit einräumst, eine selbstständige und annehmbare Konfliktlösungsstrategie zu erlernen.

Beobachte deinen Hund und die jeweilige Situation gut, um entscheiden zu können, ob dein Hund die herrschende Auseinandersetzung selbst lösen kann, oder ob es sinnvoller ist aktiv einzugreifen. Wichtig bei deiner Entscheidung ist immer:

  • Reagiert der andere Hund angemessen auf die Zeichen deines Hundes?
  • Reagiert dein Hund angemessen auf die Zeichen des anderen Hundes?
  • Ist eine umgehende Konfliktlösung wahrscheinlich?

Löse den Konflikt aktiv (durch Geschirrgriff, alternatives Verhaltensangebot, …) wenn du bei nur einer Frage im Zweifel bist. Finde einen guten Mittelweg zwischen ‚ich helfe dir‘ und ‚du schaffst das allein‘. Denn jede erfolgreiche Konfliktlösung macht deinen Hund ein Stück sicherer im Umgang mit sozialen Auseinandersetzungen.

Warum du Knurren belohnen solltest

Warum du Knurren belohnen solltest

Wenn ein Hund knurrt schrillen bei den meisten Hundehaltern die Alarmglocken.

Knurren wird meist mit unvertretbarer Aggression assoziiert und oftmals nicht toleriert.

Ein Hund der knurrt hat hierfür jedoch seine Gründe, die es gilt zu analysieren und zu verstehen. Nur allzu oft wird dieses Element der hundlichen Kommunikation falsch verstanden, als „böse“ deklariert und versucht aus dem „Wortschatz“ des Hundes zu verbannen.

Leider empfinden viele Hundehalter das Knurren des eigenen Hundes als persönlichen Angriff gegen sich, sobald es an diesen adressiert ist und fühlen sich gekränkt und untergraben. Doch was ist Knurren überhaupt, was möchte der Hund uns damit sagen und wie verhältst du dich am sinnvollsten in einer solchen Situation?

Zunächst einmal sollten wir uns anschauen was Knurren tatsächlich ausdrückt.

Knurren – was ist das

Knurren ist dem agonistischen Verhalten zuzuordnen und steht somit neben Demuts-, Imponier- und Drohverhalten in direktem Zusammenhang mit Rivalität, Wettbewerb oder Konkurrenz.

Agonistisches Verhalten umfasst somit alle Verhaltensweisen, die im Kontext mit sozialen Auseinandersetzungen gezeigt werden. Sprich – Hunde knurren nicht nur untereinander, sondern kommunizieren auch mit Lebewesen anderer Arten (Menschen, Schafen, Pferden, …) in dieser Form.

Hunde knurren neben dem agonistischen Kontext auch in Situationen, die nicht konfliktbehaftet sind. So zum Beispiel auch im Spiel (hier werden alle Verhaltenssequenzen ohne Ernstbezug und Endhandlung gezeigt), wenn dein Hund dich freudig begrüßt (manche Hunde „reden“ mit ihren Menschen) oder er genüsslich brummt, wenn du ihm die Ohren kraulst. Jedoch hast du sicher schon festgestellt, dass die Knurrlaute variieren und sich kontextabhängig unterschiedlich anhören.

Ich möchte an dieser Stelle auf das Knurren deines Hundes in agonistischem Kontext eingehen.

Kommunikationsmittel

Das Knurren deines Hundes ist also, wie anfänglich erwähnt, ein artspezifisches Kommunikationsmittel, welches ein klares Ziel verfolgt. Die Distanzvergrößerung zum bedrohenden Reiz. Kaut dein Hund also aktuell seinen Lieblingsknochen, du näherst dich und er knurrt, verfolgt er hiermit das Ziel, dass du dich vom Knochen entfernst.

Er möchte also Distanz zwischen dich und sich samt Knochen bringen.

Knurrt dein Hund in Hundekontakten möchte er dem Gegenüber mitteilen, dass die aktuelle Distanz zwischen ihm und dem anderen Hund für ihn gerade zu gering ist.

Knurren ist den Drohgesten zuzuordnen und kann somit noch einmal in defensiv und offensiv unterteilt werden. Ein Hund der defensiv droht, möchte Bedrohungen passiv abwehren, hingegen ein Hund der offensiv droht, Bedrohung durch einen Angriff aktiv abwehren möchte.

So weit so gut. An dieser Stelle wissen wir zunächst einmal, welche Funktion das Knurren unserer Hunde hat, nämlich Gefahren / Angriffe / Bedrohungen auf Leib und Leben, Ressourcen, Sexualpartner, … abzuwenden – die Distanz zwischen sich und der Bedrohung zu erhöhen.

Fest steht also auch, dass ein Hund, der knurrt sich aktuell nicht in bester emotionaler Verfassung befindet. Abhängig von der Situation basiert Knurren auf der Emotion „ANGER“ (Wut) oder „FEAR“ (Angst) – beides fühlt sich keineswegs gut an für deinen Hund.

Eskalationshierarchie

Der Idealfall wäre, wenn dein Hund in Situationen, in denen er sich unwohl fühlt, eine hierarchische Abfolge an Zeichen zeigen würde, die dem Gegenüber kleinschrittig mitteilen, dass er hier nicht erwünscht ist.

So zeigen Hunde meist zunächst Beschwichtigungssignale wie:

  • Nasenspiegellecken
  • ausweichen
  • sich kratzen

…, um Spannung aus der unangenehmen Situation zu nehmen und dem Gegenüber mitzuteilen, dass eine größere Distanz aktuell sinnvoll wäre.

Nimmt der Gegenüber dies jedoch nicht wahr, oder reagiert unangemessen mit einer Distanzverkleinerung hierauf, wird der sich bedroht fühlende Hund massiver werden und Ersatzhandlungen zeigen wie:

  • ins Gras beißen
  • in die Leine beißen
  • Stöcke knacken

Sollten auch diese Signale „übersehen“ werden, ist der Hund gezwungen noch deutlicher zu zeigen, dass das Gegenüber nicht erwünscht ist, indem er zum Beispiel:

  • einfriert und entweder teilweise oder vollständig bewegungslos verharrt (Freeze)
  • beginnt zu wuffen oder zu bellen
  • sich abzuducken und sich anzuschleichen

Wenn auch jetzt noch keine angemessene Reaktion des Gegenübers erfolgt, steigt der Hund nun auf die nächste Stufe und versucht es mit zum Beispiel:

  • Knurren
  • Fixieren
  • Zähne zeigen
  • Drohschnappen

Bis im Extremfall Bisse in unterschiedlicher Intensität unvermeidbar sind.

Wenn du dir diese Leiter der Zeichen einmal vor Augen führst bemerkst du vielleicht, dass dein Hund bevor er knurrt eine Menge anderer Signale sendet, die ausdrücken, dass er es für eine weniger gute Idee hält die Distanz zwischen ihm und der Bedrohung zu verkleinern.

Diese Eskalationshierarchie kannst du dir im Ampelschema vorstellen – je massiver die Zeichen deines Hundes, desto röter der Bereich, in dem sich dein Hund auf der Leiter der Zeichen befindet.

ein Beispiel

Dein Hund kaut einen Knochen – du näherst dich deinem kauenden Hund.

Möglicherweise zeigt er folgende Verhaltensweisen, je näher du auf ihn zuläufst:

  • sich über den Fang schlecken
  • sich samt Knochen wegdrehen
  • die Pfote auf den Knochen legen
  • einfrieren und aufhören zu kauen
  • dich von unten nach oben anschauen ohne den Knochen loszulassen
  • KNURREN

In unserem Beispiel zeigt der Hund also 5 Sequenzen, die wir wahrnehmen konnten und hätten angemessen darauf reagieren können.

Knurren erhalten

Wenn du dich nun an die Eskalationshierarchie erinnerst, siehst du, dass ein Hund bevor er zum Äußersten greift eine Vielzahl an Verhalten zeigt, die es dem Gegenüber möglich machen angemessen mit einer Distanzvergrößerung zu reagieren.

Knurren ist eine Sequenz hiervon, die unbedingt erhalten werden sollte.

Was passiert, wenn du das Knurren deines Hundes unterbindest oder gar bestrafst?

Dein Hund empfindet die jeweilige Situation deshalb nicht weniger bedrohlich, gewöhnt sich jedoch ab, dies seinem Gegenüber durch Knurren mitzuteilen. Eine wertvolle Stufe auf unserer Leiter würde also somit gelöscht werden – der Hund zeigt nach dem beispielsweise Abducken also demnächst gleich ein „nach vorn Schießen“ und Drohschnappen oder schlimmer.

Dass das Knurren eine Stufe im Drohverhalten deines Hundes ist, die wir unbedingt erhalten müssen ist an dieser Stelle also eindeutig.

Knurren belohnen

Geht es jetzt nicht ein bisschen zu weit, wenn ich sage, dass du zukünftig das Knurren deines Hundes belohnen solltest?

Ganz und gar nicht, denn wie wir eingangs schon festgestellt haben, fühlt sich dein Hund in den Situationen, in denen er knurrt nicht gut (überfordert, gefrustet, wütend, hilflos, bedrängt, …). Fügst du nun jedoch eine belohnende Handlung hinzu indem du ihn mittels Markersignal (positiv aufgebautes Signal, das eine Belohnung ankündigt), netten Worten, Spielangebot, Futter, … unterbrichst, implizierst du sofort positive Gefühle bei deinem Hund. Und das beste daran – er kann sich nicht dagegen wehren.

Wie würde es sich für dich anfühlen, wenn du gerade eine nervtötende Auseinandersetzung mit deinem verständnislosen Nachbarn austrägst, dein Blut zu kochen beginnt und dich just in diesem Augenblick deine beste Freundin mit deinem Lieblingskuchen unter dem Arm begrüßt. Sofort fühlst du dich besser und die Auseinandersetzung mit deinem Nachbarn ist gleich weniger schlimm, weil du dich weniger schlecht fühlst.

Gehen wir einen Schritt weiter und stellen uns vor, dass deine beste Freundin ab sofort immer in für dich unangenehmen Situationen mit Kuchen unter dem Arm auftaucht…

Die Konsequenz wäre, dass du dich zukünftig in unangenehmen Situationen mehr und mehr darauf konzentrieren würdest, wo nun die helfende Freundin erscheint, um deine Gefühle zu verbessern.

Belohnst du deinen Hund also immer fürs Knurren schaffst du nach und nach eine Strategie für deinen Hund. Fühlt er sich schlecht wird er sich demnächst viel schneller zu dir orientieren, weil er weiß, dass du ihm helfen kannst und wird somit weniger schnell eskalieren.

Wichtig hierbei ist natürlich immer, dass sich die Distanz zur ausgemachten Bedrohung nicht verkleinert, da dies wieder negative Gefühle implizieren würde.

Belohne deinen Hund und verlasse die Situation so weit, bis sie nicht mehr als schlimm für deinen Hund bewertet wird.

Sicherheit schaffen

Gehst du nun immer so vor, dass das Knurren deines Hundes belohnt wird, wirst du feststellen, dass dieser zukünftig deutlich weniger knurren wird, weil er sich von allein aus schwierigen Situationen heraus bewegen kann. Die Sicherheit, dass du die Freundin mit dem Lieblingskuchen für deinen Hund bist wird dazu führen, dass dein Hund demnächst schon bevor er knurrt deinen Kontakt sucht und sich selbst aus brenzligen Situationen heraus befördern kann.

Das schafft Sicherheit bei dir und bei deinem Hund.

persönlicher Angriff

Wie verhält es sich nun jedoch mit dem Knurren, dass an dich persönlich adressiert ist?

Ganz genau so. Dein Hund fühlt sich oder seine Ressource (Futter, Spielzeug, …) durch dich bedroht und möchte dir durch das Knurren mitteilen, dass du nicht näher kommen sollst.

Hier auch belohnen?

Auf jeden Fall!

Warum? Ein Beispiel:

Dein Hund knurrt dich an, wenn du versuchst seine Krallen zu kürzen.

Er teilt dir mit, dass er Angst hat, Krallen kürzen nicht mag, weiter schlafen möchte, …

Welche Möglichkeiten hat er außer der Flucht oder dem Biss in deine Hand dir dies mitzuteilen?

Keine! Prima, dass er knurrt, oder?

Als mich mein Hund damals anknurrte, als ich ihm seine Krallen kürzen wollte, war ich zu tiefst gekränkt und erschüttert. Es verletzte mich und ich brauchte einige Minuten, um zu realisieren und sachlich zu erkennen, dass er Angst vor der Zange hatte und seine Möglichkeiten mir das mitzuteilen arg begrenzt waren.

Nimm es also nicht persönlich oder werte es als Angriff gegen dich, wenn dein Hund dich anknurrt. Reagiere lieber mit einer angemessenen Antwort hierauf und überlege, wie du die jeweilige Situation zukünftig trainieren kannst.

Wir haben damals einige Tage aufgewandt, um die Krallenzange kennen und akzeptieren zu lernen.

Knurren durch Belohnen verstärken?

Viele Hundehalter haben nach wie vor Angst das Knurren durch eine folgende Belohnung zu verstärken.

Diese Angst kann ich dir nehmen.

Knurren ist ein Verhalten – wie eine Blume, welches aus einer Emotion entspringt – ähnlich einer Wurzel.

Keine Blume ohne Wurzel – kein Verhalten ohne Emotion.

Wenn du nun versuchst die Blume abzureißen (das Knurren abzustellen durch ignorieren oder bestrafen) wird diese immer wieder austreiben aus ihrer unveränderten Wurzel (Emotion). Sinnvolles Hundetraining beginnt jedoch bei der basierenden Emotion. Es ist also deine Aufgabe die Wurzel, die Emotion deines Hundes zu verändern, damit sich das Verhalten (in unserem Fall das Knurren) verändern kann.

Belohne also kräftig und minimiere die Bedrohung in der jeweiligen Situation für deinen Hund, um die vorherrschende Emotion zu verbessern.

Fazit

Fassen wir also zusammen – das Knurren deines Hundes ist ein erwünschtes Frühwarnzeichen in konfliktbehafteten Situationen deines Hundes und sollte somit nicht weggestraft oder ignoriert werden. Auch alternativlose Abbruchsignale wie „nein“ (siehe: warum du „nein“ vermeiden solltest), „aus“, Zischaute, … fördern die vorherrschenden negativen Gefühle deines Hundes und sollten somit vermieden werden.

Bestärke und Belohne deinen Hund lieber für seine tolle Kommunikation und zeige ihm Wege und Strategien aus dem Konflikt.

Hab keine Angst, das Knurren durch Belohnen zu verstärken. Du förderst hierdurch positive Gefühle und schaffst Bewältigungsstrategien.