Es ist morgens 08:00, Sie sind noch verschlafen und wollen nur schnell vor dem Frühstück mit Ihrem Hund die erste Pullerrunde erledigen. Fänden Sie es schön, wenn Ihr Hund diesen Plan nicht nur freudig teilen, sondern sich auch sein Geschirr unkompliziert anziehen lassen würde? Leider ist es eher selten der Fall, dass sich Hunde das Geschirr gut anziehen lassen, oder sogar freiwillig den Kopf durch die Öffnung stecken. Doch warum ist das so und was kann man dagegen unternehmen?

Vorsicht Kopf

Zunächst einmal sei gesagt, das das Berühren der Kopfregion eine absolute Vertrauenssache ist – nicht nur beim Hund. Hunde mögen es im Allgemeinen nicht sonderlich gern, am Kopf getätschelt zu werden. Hinzu kommt, dass ein Geschirr über den Kopf gezogen werden muss, im Gegensatz zu den meisten Halsbändern, was sich die meisten Hunde deutlich besser anziehen lassen.

Dann lieber am Halsband führen?

Eindeutig – nein. Sicher gibt es Hintergründe, die das Tragen eines Geschirrs (erst einmal) ausschließen. Jedoch sollte man als Hundehalter darauf hinarbeiten den geliebten Vierbeiner am Geschirr zu führen. Die Pro / Kontra Geschirr Diskussion möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht führen, da es hierzu sehr fundierte Studien gibt, welche sowohl den Verhaltens- als auch den gesundheitlichen Aspekt beleuchten.

eine gute Vorbereitung ist gold wert

Um von Beginn an sicher zu stellen, dass das zukünftige Geschirr als so angenehm wie möglich vom Hund empfunden wird ist es wichtig einige Dinge in Sachen Vorbereitung zu beachten. Zum einen sollten Sie Ihren Hund gut ausmessen. Die jeweiligen relevanten Maße finden Sie meist direkt auf der Seite des Herstellers bildlich via Grafik dargestellt. Mit Hilfe dieser Maße ist es nun ein Einfaches das passende Geschirr für Ihren Hund ausfindig zu machen. Das Gute daran – Sie können Ihrem Hund den Shopping- und Anprobestress ersparen. Halten Sie das neue Geschirr nun in den Händen ist es wichtig Ihrem Hund genügend Zeit zu geben, sich hiermit vertraut zu machen. Es ist für die meisten Hunde einfach ungewohnt Etwas über den Kopf gezogen zu bekommen, Riemen auf dem Rücken und am Bauch zu spüren sowie das Klicken der Schnallen wahrzunehmen. Verbinden Sie das Geschirr Anziehen stets mit einer tollen Belohnung. Ich greife hier gern zu Futterbelohnungen oder ruhigen Spielen. Wichtig ist, wie so oft, das gesunde Mittelmaß, denn pushen Sie Ihren Hund beim Geschirr anziehen so richtig hoch ist das Geschirr sicher positiv für Ihren Hund, erschwert Ihnen im Nachgang jedoch den Spaziergang und im weiteren Verlauf das Geschirr Anziehen selbst, da Ihr Hund nun kaum noch abwarten kann mit dem tollen Spiel zu beginnen. Achten Sie beim Anziehen auf die Körpersprache Ihres Hundes und beachten Sie die folgende Regel: Weicht ihr Hund aus gehen Sie ihm (mit dem Geschirr) nicht hinterher. Sucht Ihr Hund den Kontakt zum Geschirr wird er hierfür ruhig belohnt. Benötigt Ihr Hund mehr Zeit um sich an das Geschirr zu gewöhnen und mag beim ersten Versuch trotz Ihrer Geduld und Ruhe dennoch nicht so recht ins Geschirr schlüpfen, führen Sie ihn doch noch ein paar Tage am Halsband. So gewinnen Sie die nötige Zeit Ihrem Hund das Geschirr langfristig positiv aufzubauen. Dank einer guten Vorbereitung stehen nun alle Zeichen auf „gut“, aber dennoch mag Ihr Hund das Geschirr nicht? Oder vielleicht hatte Ihr Hund zwei Jahre lang kein Problem mit dem Anziehen des Geschirrs, zeigt plötzlich jedoch Meideverhalten und verkriecht sich beim Anblick dessen.

Geschirr? Ich bin dann mal weg!

Ein Verkriechen, Weglaufen, Verstecken haben immer zum Ziel, dem Anziehen des Geschirrs zu entgehen. Warum? Weil das Anziehen und / oder Tragen negativ für den Hund ist. Für die meisten Hunde ist das Anziehen unangenehm. Hunde, die jedoch auch das Tragen als unangenehm empfinden sollten auf Schmerzen untersucht werden. Nicht selten schmerzt diesen Hunden der Rücken, Nacken oder andere betroffene Körperbereiche. Einige langfellige Hunde empfinden das Geschirr auch als unangenehm, weil sich das Fell darin verfängt und es im weiteren Verlauf ganz einfach ziept und schmerzt. Hier empfehlen sich Geschirre, welche nicht gummiert unterlegt sind und über breite Gurte verfügen – so wird ein Verfangen des Fells minimiert. Einige Hunde empfinden den folgenden Spaziergang auch als unangenehm, stressig, ängstigend oder überfordernd und meiden das Geschirr, weil dieses den Spaziergang ankündigt. Vielleicht trägt Ihr Hund das Geschirr nur zu besonderen Anlässen? Zum Trailen, beim Tierarzt, in der Hundepension, …? Auch hier können mögliche Ursachen für ein Meiden des Geschirrs liegen. Überlegen Sie, ob die Abneigung Ihres Hundes auch so begründet sein könnte und versuchen Sie die folgenden Situationen zu verändern. Lassen Sie Ihren Hund zum Beispiel beim Trailen nicht stundenlang im Auto warten, verbinden Sie das Training mit Ruhe und Entspannung. Fühlt sich Ihr Hund in der wöchentlichen Hunderunde nicht wohl überlegen Sie sich Alternativen (kleinere Runde, andere Hunde, weniger Hunde, anderes Gebiet oder allein spazieren gehen). So wirken Sie einer eventuellen negativen Assoziation Ihres Hundes mit dem Geschirr entgegen.

hören Sie auf Ihren Hund

Hunden, die das Anziehen nicht mögen kann schnell geholfen werden, wenn man geduldig übt. Nehmen Sie als Hundehalter genügend Rücksicht auf Ihren Hund. Wichtig ist es beim Anziehen, die Zeichen des Hundes zu sehen und darauf zu reagieren. Ein Hund der zurück geht beim Anblick des Geschirrs hat bereits ein Problem, welches behoben werden muss! Auch wenn der Hund sich das Geschirr danach anziehen lässt und nicht wegläuft, hat er dennoch gezeigt, dass er das Geschirr nicht mag. Hier gilt es schnell zu handeln.

Geduld zahlt sich aus

Ziel ist es, dass der Hund sich freut das Geschirr anziehen zu können und seinen Kopf selbst durch die Öffnung steckt und das aus dem folgenden Grund. Wenn Sie die Idee im Kopf haben „stecke deinen Kopf selbst durch das Geschirr“ nimmt dies zum einen den Druck und den Stress aus der Situation, verändert dadurch Ihre Körperhaltung zu entspannt & wartend zum anderen lernt der Hund, dass er selbst seine Geschwindigkeit bestimmen kann. Das schafft Vertrauen und Kooperationsbereitschaft. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch über ein neues Geschirr nach, welches zum einen gut passt und nicht zu eng über den Kopf gezogen werden muss, zum anderen noch keine negativen Assoziationen bei Ihrem Hund hervorgerufen hat.

Trainer gesucht

Versteckt sich Ihr Hund und traut sich nicht unter der Couch hervor, sobald Sie mit dem Geschirr um die Ecke kommen ziehen Sie einen Trainer zu Rate, der mit Ihnen ergründet wo die Ursachen hierfür liegen, diese bearbeitet und letztendlich das Geschirr wieder positiv aufbauen kann. Nötigen Sie Ihren Hund nicht sein Versteck zu verlassen! Bis Ihr Trainer Zeit für Sie hat greifen Sie am Besten auf ein Halsband zurück. Wenn Sie Ihren Hund beaufsichtigen können, können Sie das Geschirr auch erst einmal am Hund lassen, um ein ständiges An- und Ausziehen zu verhindern. (Vorsicht Scheuergefahr!)

und plötzlich geht nichts mehr…

Was ist mit den Hunden, die plötzlich von einem Tag auf den anderen ihr Geschirr meiden? Möglicherweise haben Sie ein anderes Geschirr gekauft, was nicht so ideal sitzt oder Anzuziehen ist wie das Vorherige. Möglicherweise leidet Ihr Hund auch an einer Ohrenentzündung, Kopfweh oder Zahnschmerzen? Lassen Sie Ihren Hund in diesem Fall tierärztlich checken. Vielleicht ist auf dem letzten Spaziergang auch etwas passiert, was Ihren Hund dazu veranlasst, lieber nicht spazieren gehen zu wollen? In diesem Fall weichen Sie erst einmal auf ein anderes Geschirr oder ein Halsband aus und trainieren mit Ihrem Trainer an den ängstigenden Situationen außerhalb Ihrer vier Wände.

das richtige Geschirr

Nicht jedes Geschirr ist auch für jeden Hund geeignet. Ich persönlich bin ein Fan von H-Geschirren. Diese Geschirre haben einen langen Brust- und Rückensteg und gewährleisten somit eine gute Bewegungsfreiheit für die Schulter und den Ellenbogen Ihres Hundes. Ein weiterer Vorteil ist die relativ große Verstellbarkeit, so wächst ein gutes H-Geschirr lange mit. Y-Geschirre werden häufig im Zoofachhandel verkauft. Ungünstig finde ich hier den kurzen Bauchsteg, was meist eine Einschränkung der Schultern und der Ellenbogen zur Folge hat. Step-in-Geschirre sind toll für Hunde, die nicht gern Dinge über den Kopf gezogen bekommen. Diese Geschirre ermöglichen ein einfaches „Einsteigen“ und Schließen auf dem Rücken, ohne das Geschirr über den Kopf ziehen zu müssen. Sattelgeschirre empfinde ich persönlich nur sinnvoll, wenn man seinem Hund körperlich helfen muss, so zum Beispiel beim Aussteigen aus dem Auto oder beim Treppen steigen. In diesem Fall kann man seinem Hund mittels Griff helfen, indem man ihm durch vorsichtiges Anheben Last abnimmt. Sinnvoll sind Sattelgeschirre auch bei der Arbeit, da man seinen Hund hier schnell und sicher greifen kann. Ungünstig sind die Sattelgeschirre jedoch im Alltag, da der meist vorhandene Griff ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellt. So zum Beispiel im Hundespiel. Sattelgeschirre sind durch die große Auflagefläche auch recht warm und bergen ein großes Risiko zu scheuern. Safety Geschirre – sind eine tolle Erfindung für Hunde, welche zum Beispiel panisch reagieren und sich somit eventuell aus dem Geschirr befreien und sich selbst in Gefahr bringen würden. Diese Safety Geschirre verfügen über eine Doppelverschnallung mit extra langem Rückensteg. Hier ist ein Ausbrechen nahezu unmöglich. Norwegergeschirre sind recht größenfestgelegt und behindern Hunde, die häufig sehr tief schnüffeln oftmals im Suchverhalten. Diese Geschirre verfügen über einen waagerechten Gurt über der Brust und einen recht kurzen Rückenteil. Ein Herauswinden der Hunde ist hier recht einfach.

Fazit

Warum auch immer Ihr Hund das Geschirr meidet – irgendetwas stört ihn im Zusammenhang dessen. Können Sie Schmerzen und stressende Situationen, welche durch das Geschirr angekündigt werden ausschließen, verändern Sie das Ritual des Anziehens. Planen Sie Zeit fürs Geschirranziehen ein und lassen Sie Ihren Hund allein den Kopf durch das Geschirr stecken. Zieht Ihr Hund den Kopf zurück beginnen Sie wieder neu – bleiben Sie geduldig – es lohnt sich. Finden Sie einen kompetenten Trainer, der Sie bei einem kleinschrittigen Training unterstützen kann. Verbinden Sie das Geschirr mit positiven Konsequenzen für Ihren Hund. Ein Leckerli kann vieles besser machen. Bleiben Sie entspannt und gelassen – ihr Hund wird es Ihnen danken. Vermessen Sie Ihren Hund und kaufen Sie das Geschirr allein und probieren es in Ruhe zu Hause an. Vermeiden Sie Geschirre, welche eng über den Kopf gezogen werden müssen und zu nah am Ellenbogen enden. Ideal sind Geschirre, welche eine große Kopföffnung haben und durch einen langen Rücken- und Bauchsteg den Ellenbogen und das Schultergelenk frei bewegen lassen.